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Interview mit Natalia Heidorn

Bücher lesen ist seit Kindheit eine Leidenschaft der aparten 52-jährigen Russin. Die Organistin der Trinitatis-Kirchengemeinde am Steinhügel und an der Sandstraße erinnert sich schmunzelnd: „Als 12-Jährige habe ich beim Üben langweiliger Klavier-Etüden heimlich in einem Buch gelesen, das ich auf den Knien unter dem Klavier liegen hatte.“
Die Mutter von zwei Töchtern und stolze Oma eines 3-jährigen Enkels ist mit einem deutschen Lehrer verheiratet. In ihrer Heimat in Russland hat sie nach dem Musikstudium in Tambow 17 Jahre lang die Musikschule geleitet.

 Wann sind Sie aus Russland ausgewandert?
Mein Mann hatte 1999 an einer Schule in  Albanien eine Stelle als Lehrer angenommen. Wir hätten länger bleiben können, aber für mich war es da unerträglich. Eine Frau bedeutet dort nichts. Wir sind daher nach einem Jahr nach Witten gezogen, wo mein Mann seither an der Kollegschule unterrichtet.

 Konnten Sie Deutsch sprechen?
Überhaupt nicht. Ich konnte nur „hallo“ und „tschüss“ sagen. Ich habe sofort an der VHS Deutschunterricht genommen und, um mich zu integrieren, eine Putzstelle in der Zahnklinik der Herdecker Uni angenommen. Lacht: Da habe ich ½ Jahr lang gearbeitet und in einem der Räume regelmäßig unter einem Flügel geputzt. Spielen durfte ich leider nicht darauf.

Welche Musikausbildung haben Sie?
Ich habe in Russland Klavier, Gesang und Dirigat studiert und habe den Abschluss mit der höchsten Qualifikation als Chordirigentin.

Wie haben Sie in Ihrem Beruf in Witten Fuß gefasst?
Als Mitglied des  Kirchenchors der Johannis-Kirchengemeinde. Pfarrerin Engelsing hatte mich um eine Orgelvertretung gebeten. Obwohl ich damals nicht Orgel spielen konnte, hat sie mich ermutigt, es zu versuchen. Ich war beim 1. Mal ganz schön aufgeregt. Danach ging es immer weiter: an der Oberkrone, am Friedhof der Pferdebachstraße, inzwischen am Steinhügel und an der Sandstraße. Außerdem leite ich den Jugendchor an der Johannis-Kirchengemeinde.

Womit füllen Sie Ihre Freizeit aus?
Ich lese sehr gern historische Geschichtsbücher über die Zaren-Dynastie. Ich lerne Spanisch, damit ich mich mit meinem Enkel unterhalten kann, der in Spanien lebt. Einmal wöchentlich gehe ich zum Qi Gong, weil u.a. die Atemübungen gut für meinen Gesang sind. Für Konzert-Projekte begleite ich bei mir zu Hause am Flügel die Sopranistin Angela Hölscher und den Tenor Bernd Frommeyer. Sehr gern verreise ich mit meinem Mann, um die Schätze der Welt kennen zu lernen und freue mich auf  Venedig, wo wir Silvester feiern wollen.

 GESPRÄCH Karin Trampisch

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letzte Aktualisierung dieser Seite: 07-12-09
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