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Interview mit Yonggi G. Lee

Er sitzt regelmäßig im Gottesdienst unauffällig in einer der hinteren Bänke. In seinem Heimatland Südkorea hat der 52-Jährige in Seoul bis zum Magister Philosophie studiert. Besonders die politisch-sozialen Aspekte seiner Heimat interessieren und belasten den ledigen Koreaner. Nach Deutschland verschlug es ihn als Doktorand an die Bochumer Ruhr-Universität.
Im Lutherhaus in Bochum-
Stiepel hatte der bekennende Christ eine schicksalhafte Begegnung.


Ich habe in der Luthergemeinde meinen „zweiten Vater“ kennen gelernt. Er war damals 75 Jahre alt. Wir haben uns so gut verstanden, dass ich nach einiger Zeit bei ihm wohnen durfte und er mich adoptierte, mir ein Zuhause gab. Als er nach Jahren krank und schwerstpflegebedürftig wurde, habe ich bis zu seinem Tod im Jahr 1999 für ihn gesorgt. Durch die Pflege des Vaters ist mein Glaube stark geworden. Für mich ist die Botschaft von Jesus die wichtigste, die große Hoffnung.

 Wie ging es dann weiter?
Ich war nun ganz allein und musste neben dem Studium Geld verdienen. Eine Zeit lang lebte eine Nichte von mir, die in Dortmund Architektur studierte, mit in der Wohnung. Als sie wieder nach Korea zurückgekehrt war, bin ich nach Heven in eine kleine Wohnung umgezogen. Durch die langjährigen Pflegezeiten und der Notwendigkeit arbeiten gehen zu müssen, habe ich meine Doktorarbeit lange vernachlässigt. Seit 2002 habe ich wieder richtig damit angefangen.

Wie stellen Sie sich Ihr weiteres Leben vor?
Ich habe einen großen Traum. Ich möchte für Nordkorea arbeiten und besonders den Kindern helfen. Wenn ich die Macht hätte, in Nordkorea etwas zu verändern, würde ich dafür sorgen, dass die Kinder Kleidung und genug zu essen hätten, das Bankwesen modernisiert wird und Menschen im Goethe-Institut in der Hauptstadt Pyongyang ausgebildet werden könnten. Für Initiativen, in die ich mich einbringen möchte, ist eine Basisfinanzierung notwendig, die ich nicht leisten kann. Daher konnte ich mein Ziel bisher nicht realisieren. Darüber bin ich innerlich sehr unglücklich und traurig.

Suchen Sie Gleichgesinnte?
Ja. Ich bete immer zu Gott und warte auf seine Entscheidung, auf seinen Plan, den er mit mir hat. Ich suche einen Mitarbeiter, der mit mir zusammen für Nordkorea arbeiten will: moralisch, finanziell, umsichtig oder geistlich. Heutzutage gibt es so viele unglaublich reiche Leute und so viele arme Leute. Ich glaube, wir haben als Mensch ein bisschen verloren, weil unsere Menschlichkeit verloren geht. Das ist meine private Meinung. Ich glaube, unsere einzige Hoffnung ist, zurück zur Menschlichkeit zu finden. Ob mit Gottes Hilfe, durch Allah, Messias oder Buddha, das ist egal. Wer helfen kann sollte helfen. Wir haben von Gott eine Freiheit bekommen zu entscheiden, wie wir leben wollen.


GESPRÄCH
Karin Trampisch

trampisch@trinitatis.org

 

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letzte Aktualisierung dieser Seite: 03-10-07
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