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Interview mit Gisela Thiemann

Beim Arbeiten in ihrer Friedhofsgärtnerei trägt sie Jeans und sieht fit wie eine Frau mittleren Alters aus. Dabei wird die in Herne aufgewachsene Powerfrau im April bereits  unglaubliche 77 Jahre alt. Bei ihrer Kundschaft erlebt sie täglich, dass Freud und Leid ganz nah beieinander liegen. Die einen trauern um einen lieben Verstorbenen, andere verlassen das Geschäft mit einem kreativ gebundenen Blumenstrauß. Damit hat sich die dreifache Mutter und sechsfache Großmutter inzwischen abgefunden. Vor der Gründung des „Blumenhof Thiemann“ vor 24 Jahren befanden sich dort Ländereien aus dem Familienbesitz ihres Mannes. Neben der Landwirtschaft widmete sie sich intensiv der Erziehung ihrer Söhne, war in Klassen- und Schulpflegschaft und 10 Jahre lang als Haupt schöffin bei der großen Strafkammer in Bochum tätig.

 Wie kamen Sie im Alter von 53 Jahren auf die Idee, eine Friedhofsgärtnerei zu eröffnen
Die Idee eine Friedhofsgärtnerei zu eröffnen entstand als wir 1972 der Stadt Witten für die Erweiterung des Friedhofes Land abgeben mussten. Ich liebe Blumen, daher auch unser Geschäfts-Slogan: „Ohne Blumen fehlt dir was.“ Der Anfang war sehr schwer für mich, denn vom Blumen- und Kranzbinden hatte ich nicht den leisesten Schimmer. Es war ein langwieriger Lernprozess, bis ich diese Kunst beherrschte. Dazu musste auch noch die Grabpflege auf dem inzwischen erweiterten Friedhof bewältigt werden. Aber der Mensch kann alles, wenn er will. Wach muss man sein, nicht hochnäsig und Freude an der Arbeit haben.

Gab es vor 24 Jahren bereits das Blumengeschäft?
Nein (lacht) - ich habe damals in unserem Wohnhaus im Esszimmer mit 3 Floristinnen an meiner Seite begonnen, die mich in der Anfangsphase unterstützt haben. Heute kann ich nach der Vorlage eines Fotos jedes Blumenarrangement nacharbeiten.

Worauf freuen sich?
Ich freue ich mich über jeden neuen Morgen und wenn ich mich dabei einigermaßen gut fühle. Und natürlich auf den Frühling, der ist mit seinem zarten Grün meine Lieblingsjahreszeit. Ich mag aber auch den Herbst mit den gedeckten bunten Farben.

Was ist Ihnen wichtig?
Familie und Geschäft laufen parallel, keiner darf zu kurz kommen. Ich wünsche mir, dass es weiter so gut läuft, alle gesund bleiben und mir noch einige Jahre vergönnt sind. Ich wohne jetzt seit 58 Jahren in Heven und möchte nicht mehr weg von hier. Ich freue mich, wenn meine Kundschaft zufrieden ist und halte es ansonsten mit meinem Lebensmotto: „Tue recht und scheue niemand. Tue jeden Tag eine gute Tat.“

 GESPRÄCH Karin Trampisch

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letzte Aktualisierung dieser Seite: 07-12-09
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