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Es
ist noch dunkel am frühen Ostersonntag um kurz nach 6. Und bei
leichtem Regen auch ganz schön ungemütlich. Nicht mal ein Hund wird
von seinem Herrchen über die Ruhrwiesen in Heven gejagt. Aus der Dämmerung
taucht eine Gestalt mit einem großen Holzkreuz auf und stellt dieses
auf den feuchten Boden am Ruhrufer in der Lake.

Holzkreuz, Altarbibel und Osterkerze
mussten vor dem Regen geschützt werden.
Die
evangelische Trinitatis-Kirchengemeinde Witten (im Januar entstanden
aus dem Zusammenschluss der Kirchengemeinde Heven und Christus) hat zu
einem ungewöhnlichen Taufgottesdienst eingeladen. Im Wasser der Ruhr
sollen drei Jugendliche nach alter Tradition getauft werden. Küster
Christian Maly bereitet alles vor, damit der Gottesdienst pünktlich
um 6.25 Uhr beginnen kann. Die Uhrzeit errechnet sich nach der Sonne.
Der Aufgang der Sonne ist das Zeichen für den Anfang des Ostertages
und somit für die Botschaft von der Auferstehung Jesu.

Laura Zenerino (links), Robin Urban
(2.v.r.)
und Marc Schmidt (rechts) wagten den Sprung in die Ruhr,
wo sie von Pfarrerin Oberwelland getauft wurden.
Die Taufen finden am Ende
der Osternacht statt, weil die Auferstehung den Anfang des neuen
Lebens der Täuflinge als Kinder Gottes besonders verdeutlicht. Und
schließlich wurde bereits Jesus selber vom Täufer Johannes im fließenden
Wasser des Jordan getauft. Pfarrerin Oberwelland, die die Taufe
vornehmen wird, ergänzt: „Mit der Ganzkörpertaufe im fließenden
Gewässer betonen wir außerdem unsere Verbundenheit in der
christlichen Ökumene, in der diese Taufpraxis weit weniger ungewöhnlich
ist, als in unserem Kontext.“

Robin Urban (Mitte) bei der Taufe durch
Pfarrerin Oberwelland, unterstützt von seinem Paten Sven Simon
Für Laura Zenerino, Marc
Schmidt und Robin Urban und ihre Familien wird dieser Moment immer
ganz besonders in Erinnerung bleiben. Die drei Täuflinge wurden nicht
als Säuglinge getauft, weil die Eltern ihnen die Entscheidung für
Christus selber überlassen und sie ihre Taufe bewusst erleben lassen
wollten. Pfarrerin Oberwelland erklärt: „Nun sagen diese drei
Jugendlichen am Anfang ihrer Konfirmandenunterrichtszeit
"Ja" zu dem Gott, der uns allen bei der Orientierung auf dem
Lebensweg helfen will.“

Marc Schmidt (Mitte) bei seiner
Taufe in der Ruhr
Rund
50 Gemeindeglieder sind so früh an die Ruhr gekommen, um dem Ereignis
beizuwohnen. Nach ein paar Liedern, der Tauffrage, dem Verlesen der
Taufsprüche und dem Anzünden der Taufkerzen am Osterlicht, ist es
dann soweit. Nacheinander steigen die drei Konfirmanden in ihren
Neopren-Anzügen - übrigens völlig freiwillig - zu Pfarrerin
Oberwelland in die Ruhr. Nach den üblichen Gesten wie sie überall an
jedem Taufbecken und in jeder Kirche benutzt werden, erfolgt das kurze
komplette Eintauchen in die Fluten.

Auch Laura Zenerino (Mitte) wagte den
Sprung
ins kalte Ruhrwasser.
Ein
weiterer Schritt ins Gemeindeleben ist somit für Laura, Marc und
Robin getan. Noch ein Jahr lang werden sie gemeinsam unterwegs sein
auf dem Weg zur Konfirmation im Frühjahr 2007. Ein Weg, auf dem sie
sich der Begleitung Gottes sicher sein können. So sicher wie die
Sonne auch an diesem Ostermorgen hinter den Regenwolken über den
Ruhrwiesen vorhanden ist.
Text:
Bernd Schmitz
schmitz@trinitatis.org
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